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Neurodermitis

Wenn die Haut chronisch erkrankt

02.02.2010

Wolfsburg, den 2. Februar 2010
Bis zu zehn Prozent aller Deutschen sind von der chronischen Hautkrankheit betroffen. Darunter besonders viele Kinder.

Die Haut ist trocken und entzündet, der Juckreiz oft unerträglich. Neurodermitis ist die häufigste chronische Hautkrankheit und gilt bis heute als unheilbar.

Die Entstehung einer Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt, ist komplex. Diskutiert werden überwiegend genetische Faktoren, die dazu führen, dass die Haut sich so „krank“ verhält. Wesentlich dabei sind eine gestörte Hautbarriere und die angeborene Atopie. Unter dem aus dem griechischen Sprachgebrauch stammenden Begriff Atopie versteht man die ererbte Bereitschaft, besonders empfindlich auf Umwelteinflüsse jeglicher Art zu reagieren. Die Atopie beschränkt sich dabei nicht nur auf die Neurodermitis. Atopiker neigen auch gleichzeitig zu Allergien und allergischem Asthma. Als Indikator für eine Atopie gelten bestimmte Antikörper (IgE), die bei entsprechend Veranlagten oft erhöht sind.

Dabei wäre es zu einfach, eine Neurodermitis als bloße Hautallergie abzutun. Die Krankheit ist vielmehr ein Mix aus genetischer Disposition, immunologischen Reaktionen und Umwelteinflüssen zum Beispiel in Form von Allergien.

Krankheitsaktive Episoden („akuter Schub“) wechseln sich dabei mit beschwerdefreien Phasen ab. Experten beobachten eine stete Zunahme der Erkrankungen. Bis heute gibt es allerdings keinen genauen Aufschluss darüber, warum das so ist. In der Regel lässt die Krankheitsaktivität mit zunehmendem Alter nach. Lediglich 10- 20 Prozent derjenigen, die als Kind bereits Neurodermitis hatten, sind als Erwachsene noch davon betroffen.

Aufgrund der instabilen Hautbarriere gelingt es, neben reizenden, Allergien auslösenden Stoffen, auch vielen Keimen, in die Haut einzudringen. Das sind meistens Bakterien, können aber auch Viren und Pilze sein. Diese zusätzlichen Infektionen (Sekundärinfektionen) verschlimmern die Haut der Betroffenen zusätzlich.

Die medikamentöse Therapie der Neurodermitis richtet sich nach dem klinischen Hautzustand der Patienten. Als Mittel der Wahl gelten nach wie vor Kortikoide. Das sind Substanzen, die dem menschlichen Hormon Cortison nachempfunden sind und binnen kurzer Zeit zu einer Besserung des Hautzustandes führen. Kortikoide wirken antientzündlich. Es gibt sie in mittlerweile vier Wirkstoffklassen, von schwach wirksam bis hochwirksam. Je nach Hautzustand entscheidet der Arzt, welche Dosierung angemessen ist. Die modernen Kortikoide weisen eine maximale Wirkung bei minimaler Nebenwirkung auf. Das gilt allerdings nur bei sachgemäßer Anwendung der Substanzen. In der Regel sollte eine lokale Behandlung der Haut mit Kortikoiden nicht länger als vier Wochen andauern. Sonst kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Dazu zählt vor allem eine Verdünnung der Haut (Atrophisierung).

Eine relativ neue Substanz in der Therapie des atopischen Ekzems stellen die Calcineurinhemmer (Tacrolimus, Pimecrolimus) dar. Calcineurinhemmer wirken modulierend, das heißt ausgleichend, auf das Immunsystem ein. Da es sich, im Gegensatz zu Kortikoiden, um Medikamente handelt, die erst seit einigen Jahren flächendeckend eingesetzt werden, ist noch nichts über die Langzeitwirkungen und Nebenwirkungen bekannt.

Eine auf die Bedürfnisse der Haut abgestimmte Hautpflege ist neben einer adäquaten, medikamentösen Therapie im akuten Schub, elementar. Die kranke Haut muss täglich mit Pflegesubstanzen eingecremt werden! Oft sogar mehrmals am Tag. Je nach individuellem Hautzustand werden fetthaltige Salben oder eher feuchtigkeitsreiche Cremes / Lotionen verwendet. Eine extrem trockene Haut braucht mehr Fett als eine mäßig trockene. Eine besondere Herausforderung stellen nässende Hautpartien dar. Hier sollten Lotionen oder Cremes, die schnell einziehen, aufgetragen werden.

Für die Basispflege gut geeignet sind Cremes oder Salben die Nachtkerzenöl, Johanniskrautextrakt, Zink, Panthenol, Mandelöl, Jojobaöl oder Harnstoff enthalten. Harnstoffhaltige Präparate sollten allerdings nicht auf besonders wunde Hautstellen aufgetragen werden, da es zu einer Reizung bzw. zu unangenehmen Brennen kommen kann. Prinzipiell gilt für die Neurodermitishautpflege: So wenig Inhaltsstoffe wie möglich! Dadurch reduziert sich das Allergierisiko der Betroffenen. Schlecht vertragen werden beispielsweise Parfümzusätze, bestimmte Konservierungsmittel und Farbstoffe sowie Emulgatoren. Für die tägliche Reinigung der Haut empfehlen sich ph- neutrale, rückfettende Waschlotionen. Für den Gang unter die Dusche oder in die Badewanne eignen sich spezielle, unparfümierte Ölbäder, die auf der Haut, trotz des Wassers, eine schützende Fettschicht hinterlassen.

Als unterstützende Maßnahme können Kuraufenthalte in Reizklimaregionen (See, Hochgebirge) helfen. Auch Solebäder oder Lichttherapie können in einigen Fällen Linderung verschaffen. Bei besonders infizierten Hautarealen haben sich Cremes oder Textilien mit Mikrosilber bewährt.

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