„Wenn der Gesetzgeber vorschreibt, dass für die Betreuung eines Klienten pro Monat zwei Stunden Arbeitszeit ausreichen, tatsächlich aber mehr Zeit benötigt wird, reduziert sich der Verdienst der Berufsbetreuer mit jeder Stunde, die wir länger arbeiten“, erläutert Behrendt. Unter dieser Situation leiden nicht zuletzt auch die Menschen, die im Mittelpunkt der Arbeit stehen: Behinderte, Kranke und Alte. Für deren Rechte setzen sich die gerichtlich bestellten Berufsbetreuer/innen ein.
Sie sind Ansprechpartner für Ärzte, Pflegedienste oder
Heime. Sie regeln die Vermögensfragen ihrer Klienten oder
setzen deren Ansprüche gegenüber Behörden durch.
Berufsbetreuer/innen sind sozusagen die Lebensmanager für
all jene Menschen, die ohne fremde Hilfe nicht mehr in der
Lage sind, Entscheidungen zu treffen.
Bundesweit benötigen bereits mehr als 1,3 Millionen
Menschen diese professionelle Lebenshilfe. In Berlin und
Brandenburg sind derzeit mehr als 102.000 Menschen auf die
Unterstützung der etwa 1.600 Berufsbetreuer/ innen
angewiesen, die in der Region arbeiten. Mit der Zunahme
alter Menschen in unserer Gesellschaft wird der Bedarf
weiter steigen.
Es ist eine Tätigkeit mit hoher Verantwortung, die eine
enorme soziale Kompetenz erfordert. Viele der
Berufsbetreuer/innen verfügen über mehrere Ausbildungen
– als Pädagogen, Psychologen und Soziologen, Juristen
und Betriebswirtschaftler. Durch regelmäßige
Fortbildungen qualifizieren sie sich für die
Herausforderungen ihrer Arbeit.
Die Honorierung dieses Engagements basiert jedoch auf mehr
als zehn Jahre alten Daten, die Grundlage für die
Festlegung der Stundensätze waren, nach denen die Arbeit
der Berufsbetreuer/innen von Amts wegen vergütet wird.
Seit 2005 hat sich an dieser Vergütung nichts verbessert.
Weder die Inflationsrate noch andere Kostensteigerungen
oder gar die 2007 erfolgte Erhöhung der Mehrwertsteuer
wurden berücksichtigt. Real betrachtet verdienen
Berufsbetreuer/innen heute weniger als vor zehn
Jahren.
„Im Interesse der von uns betreuten Menschen kann es so
nicht weitergehen“, sagt Thomas Behrendt. Mit seinem
Verband, dem BdB, wollen Behrendt und die etwa 12 000
Berufsbetreuer/innen in Deutschland auf diese prekäre
Situation aufmerksam machen. Ihr Ziel ist nicht nur eine
Verbesserung der Vergütung durch eine am Einzelfall
orientierte Stundenzahl. Sie fordern auch Änderungen im
gesetzlichen Sozial- und Betreuungsrecht, die Anerkennung
von Qualitätsstandards und der professionellen Betreuung
als Beruf.
Dafür gehen die Berufsbetreuer/innen auf die Straße. Auf
zentralen Plätzen in deutschen Städten sind öffentliche
Diskussionen mit Politikern, Sozial-Experten, Dezernenten
aus den Verwaltungen, mit Menschen aus der Praxis und
nicht zuletzt auch mit den Klienten geplant. Die Kampagne
startet am 26. August 2010 in Hamburg und endet am 10.
September auf dem Potsdamer Platz in Berlin.
Behrendt: „So wie wir für die von uns betreuten
Menschen das Recht auf ein würdevolles Leben durchsetzen,
so haben wir auch Anspruch darauf, dafür angemessen
entlohnt zu werden.“
Mehr Informationen unter www.bdb-ev.de



